Meine Familienalben - mein Herzensprojekt

Die Spannung steigt, das Postauto fährt vor. Es klingelt. Weniger später halte ich einen weiteren Familienschatz, unser Fotoalbum 2015 in den Händen, einen Schatz der mir sehr viel bedeutet. Erinnerungen aus dem vergangenen Jahr in Worten und Bildern liegen vor mir, es fühlt sich gut an, unsere Geschichte dokumentiert zu sehen. Das Projekt, welches ich nun seit mehr als drei Jahren mache, vereint Texte und Fotos aus unserem Familienleben.

Pro Woche wird eine Doppelseite mit Eindrücken, Zitaten, Begegnungen, Besonderheiten in Wort und Bild erstellt. Am Ende des Jahres sende ich dann alle 52 Seiten ein und zurück kommt unser Familienalbum.

In den USA wurde der Begriff Project Life geprägt, ich habe bis heute noch keinen griffigen Begriff gefunden. Museum der Momente, Familienalbum, Fotoalbum, Jahresalbum, wie man es auch immer nennen mag, es ist etwas ganz Besonderes, was ich da für meine Kinder anlege. Im Winter bei einer Tasse Tee und einem leckeren Kuchen unsere Familienalben anzusehen - das ist Glück für meine Familie und mich. 

2013 wurde unser erstes Kind geboren. Ich hatte vorher schon viel mit meiner Kamera herum probiert, viel fotografiert. Als unser Sohn geboren war, entschloss ich mich, meine Fotos nicht auf einen Datenfriedhof liegen zu lassen, sondern sie zu „verwenden“. Damals hatte ich bereits in der Schwangerschaft angefangen, ein Tagebuch in Form eines Kalenders zu führen. Mein Vater ist da ein großes Vorbild für mich, er führt das seit 35 Jahren, tagein, tagaus. Er schreibt in kurzen Worten auf, was er täglich macht.

Ich suchte nach einer Form, meine Fotos, die Kalendereinträge, Meilensteine, Zitate etc. in einen Guss zu bringen. Durch Zufall bin ich auf diese Art der Fotoalben-Erstellung gestoßen und seitdem nicht mehr davon abgekommen. An diesem Herzensprojekt bin ich jetzt schon im vierten Jahr dran, Woche für Woche.

Wie sieht das jetzt im Detail aus? 

Fotografieren

Ich fotografiere sehr viel unter der Woche. Eine Kamera ist immer mit im Gepäck, egal ob wir auf den Spielplatz gehen, zum Zahnarzt oder ganz unspektakulär einen Spaziergang machen. Mit den Kindern gibt es immer etwas zu sehen und zu erleben, deshalb ist es mir wichtig, immer eine Kamera dabei zu haben.

Ein Notizbuch oder ein Kalender sind hilfreich

Ebenso wichtig, wie das Fotografieren ist das Notieren von Zitaten und unserem Wochenablauf, was wir wann mit wem gemacht haben. Das geschieht ebenfalls unter der Woche. Idealerweise setze ich mich abends hin und schreibe Dinge von unserem gemeinsam vergangenen Tag auf. Zitate und Gedanken werden von mir sehr zeitnah, meistens sofort verschriftlicht. Jeden Tag bzw. alle 2 bis 3 Tage einen Eintrag zu machen, ist immens hilfreich nachher bei der Erstellung der einzelnen Seiten des Fotoalbums. Auch wenn man etwas in Verzug gerät mit der Erstellung der Seite, so hilft es doch wieder anzukommen, da ja alles notiert wurde.

Daten sichern und aussortieren

Am Sonntagabend ziehe ich die Bilder von meinem iphone, der Spiegelreflexkamera und meiner kleinen Mitnehmkamera auf den PC in einen Ordner. Dann erfolgt die Sichtung und das Reduzieren der Bilder auf maximal 20. Zwanzig deshalb, da eine Doppelseite meist nur so viele Bilderspalten hat.

Ebenfalls am Sonntagabend nehme ich meine Notizbuch zur Hand und mache die Einträge in ein Dokument auf dem PC.

Lieber digital, statt Papier

Ok, zugegebenermaßen, ich bin keine besonders gute Bastlerin. Ich bin schlecht im Ausschneiden. Schon im Kindergarten fiel es mir schwer, auf der Linie zu schneiden, das zog sich in der Schule fort bis jetzt. Auch Kleber klebt überall bei mir und an mir, nur nicht da, wo er eigentlich hingehört. Also habe mich entschieden, eine digitale Version unseres Familienalbums zu erstellen. So kann ich auch weitere Kopien anfertigen lassen. Bei der Papierform liegt der Familie meist nur ein Album vor. Das finde ich schade, da alle Kinder später ein gleiches Exemplar bekommen sollen.

„Basteln“

Nun beginnt das eigentliche „Basteln“. Bilder und Texte werden in Photoshop Elements 13 hochgeladen und in ein sogenanntes Template integriert. Ein Template ist eine Vorlage mit verschiedenen Spalten und Ebenen, wo man die Fotos per Drag-and-Drop hineinziehen kann, und ergibt nachher eine Doppelseite. 

Man kann auch Rahmen, Schriftzüge, Pfeile usw. verwenden, Verzierungen und Bordüren können sehr dekorativ sein. Ich bevorzuge es jedoch lieber zeitlos. Somit hat auch der Betrachter den vollen Fokus auf die Fotos, Farben und Texte. Was mir persönlich wichtig ist, sind schöne Schriften/Fonts, die im Internet leicht zu finden sind. 

Es ist auch ein Beginn unter dem Jahr möglich

Interessanterweise habe ich unser erstes Album 2013 unter dem Jahr angefangen, nicht zu Beginn des Jahres! Ich glaube gerade, weil das erst Halbjahr schon vorbei war, hatte ich eine besonders große Motivation, das Jahr abzuschließen und für das nächste volle Jahr 2014 vorbereitet zu sein. Das Album von 2013 stellte sozusagen eine Art Warmlauf dar! 

Durchhalten mit Hilfe von kleinen Veränderungen

Wenn ich mir das Familienalbum von 2013 anschaue und die Art und Weise mit dem aktuellen Album von 2016 vergleiche, so sind diverse Unterschiede nicht zu leugnen. Das erste Jahrbuch ist bunt gefüllt mit vielen kleinen Details und bunten Karten, was sehr zeitaufwändig war. 

Zu Beginn diesen Jahres hatte ich meinen ersten Durchhänger, ich war tatsächlich am Grübeln, ob es dieses Jahr ein Familienalbum geben wird. "Nein! Das musst Du musst auf jeden Fall weitermachen!" kam es von allen Seiten. 

Ich habe mich entschlossen, dieses Jahr minimalistischer zu werden - klarer und ohne großen Schnickschnack. Mittlerweile bin ich gut in meinem persönlichen Arbeitsablauf angekommen. Ich weiß, wie unser Familienalbum aussehen soll und wie ich was wann am besten erledige. Aktuell mache ich mir einige Gedanken über das Inhaltliche. Was interessiert meine Kinder später? Was würden sie sehen wollen? 

 

Das war jetzt ein sehr persönlicher Blogpost von mir. Falls ihr Fragen habt gerne über mein Kontaktformular!

Eure Julia Erz